UXD im ÖPNV

UXD im ÖPNV

Navira entstand im sechsten Semester meines Bachelorstudiengangs User Experience Design, im Team aus vier Personen. Ziel war eine hybride Nutzerschnittstelle aus grafischer und gesprochener Bedienung für autonome Fahrzeuge im städtischen ÖPNV. Sie soll Fahrgästen die Fahrt erleichtern, den Wechsel zwischen Shuttle, Bus und Bahn nahtlos gestalten und die Entscheidungen der KI durch Explainable AI verständlich machen. Erarbeitet haben wir das Konzept nach der Methode des Collaborative UX Design.

Vorgehen: Collaborative UX Design

Die Zusammenarbeit folgte dem Collaborative UX Design mit den Phasen Understand, Explore und Deliver: von Scoping und Research über Prototyping und Ideation bis zu Review und Testing.

Problem Statement

Über Brainwriting, informelle Gespräche und Desk Research sammelten wir die zentralen Probleme heutiger ÖPNV-Reisen: fehlendes Vertrauen in autonomes Fahren, schlechte Informationsverfügbarkeit bei Störungen, unzuverlässige Anschlussverbindungen und unklare Navigation an Umsteigepunkten. Besonders relevant waren sie für zwei Zielgruppen, aus denen wir unsere Personas entwickelten: Reisende im EU-Ausland und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. Daraus leiteten wir How-Might-We-Fragen für die anschließende Ideation ab.

Personas

Aus den zentralen Problemen entwickelten wir zwei kontrastierende Personas, um Navira auf unterschiedliche Bedürfnisse auszurichten: eine Reisende ohne Erfahrung mit autonomen Bussen und einen Fahrgast mit Mobilitätseinschränkung.

User Journeys

Für beide Personas entwickelten wir je eine User Journey, um ihre Erfahrung vor und mit Navira sichtbar zu machen und daraus konkrete Anforderungen an Funktionen und Kommunikation abzuleiten.

Ideation: Crazy-4- und 6-3-5-Methode

Ausgehend von den How-Might-We-Fragen entwickelten wir in kurzen Sprints erste Lösungsideen: Die Crazy-4-Methode lieferte in wenigen Minuten viele Skizzen pro Person, die 6-3-5-Methode entwickelte Ideen systematisch im Team weiter. So entstanden früh Konzepte wie ein Filter für barrierefreie Verkehrsmittel, eine AR-gestützte Wegführung und die Möglichkeit, Probleme direkt in der App zu melden.

Wireframing und Prototyp

Aus den Ideen entstanden zunächst Wireframes für die zentralen Screens, etwa die Routenübersicht, die Live Karte während der Fahrt und den Chatbot NaviQ. Im nächsten Schritt wurden daraus in Figma vollständige, klickbare Prototypen mit den Kernfunktionen von Navira.

Usability Testing

Die Tests folgten dem Vorgehen des Collaborative UX Design in den Phasen Vorbereitung, Durchführung und Auswertung, ergänzt durch Peer Reviews und eine heuristische Evaluation im Team. Sechs Testpersonen lösten je vier Aufgaben passend zu ihrer Persona, das Erleben erhoben wir mit dem UEQ-S sowie offenen Fragen und einem abschließenden Interview. Die Ergebnisse werteten wir aus und überführten sie in mehrere Iterationsschritte am Prototyp.

Fazit

Ein großes Learning war der Rat unseres Professors, den Scope konsequent beizubehalten, denn oft entstehen Ideen für Funktionen, die nicht direkt auf das eigentliche Ziel einzahlen. Ebenso wertvoll war es, durch die Usability-Tests direkt nachvollziehen zu können, wie sich pragmatische und hedonische Qualität unserer Funktionen von Iteration zu Iteration verbesserten.