Automotive Voice UX

Automotive Voice UX

Das Projekt entstand im Rahmen eines fachwissenschaftlichen Seminars, im Team aus drei Personen. Wir untersuchten in einer Nutzerstudie im Fahrsimulator Carla, wie Geschlecht, Emotionalität und Tonfall eines Sprachassistenten die wahrgenommene Kompetenz und Vertrauenswürdigkeit im Auto beeinflussen.

Ausgangslage

Sprachbasierte KI-Assistenten sind heute fester Bestandteil von Smartphones, Smart-Home-Systemen und zunehmend auch Fahrzeugen. Gerade im Auto, wo Entscheidungen oft unter Zeitdruck und in sicherheitskritischen Situationen getroffen werden müssen, ist Vertrauen in die Stimme des Assistenten zentral.

Hypothesen

Aus der Related-Work-Recherche wussten wir: männliche Stimmen gelten oft als kompetenter, weibliche als wärmer, und ein neutraler Tonfall stärkt Vertrauen mehr als übertriebene Emotionalität. Daraus leiteten wir drei Hypothesen ab: H1KI-Assistenten mit männlich klingender Stimme werden als kompetenter wahrgenommen als solche mit weiblich klingender Stimme. H2Eine moderate emotionale Intensität der Stimme führt zum höchsten Vertrauen. H3Der Tonfall allein, unabhängig vom Inhalt, beeinflusst das Vertrauen der Nutzenden.

Studienaufbau: Fahrsimulator

Für die Studie bauten wir eine eigene Fahrumgebung in Carla auf. Die Teilnehmenden saßen dabei in einem Fahrsimulator mit Rennsitz, Lenkrad, Pedalen und Monitoren.

Versuchsablauf

Während der Fahrt lösten die Teilnehmenden typische Aufgaben: die autonome Fahrfunktion aktivieren, nach der Verkehrslage fragen, das nächste Restaurant und die nächste Tankstelle suchen sowie auf simulierte Warnleuchten reagieren. Variiert wurde dabei ausschließlich die Stimme selbst, in Geschlecht, Emotionalität und Tonfall.

Ergebnisse und Gestaltungsimplikationen

Bei 14 Teilnehmenden zeigte sich vor allem beim Geschlecht der Stimme ein klares Bild: Obwohl sich die Kompetenzbewertungen kaum unterschieden, bevorzugten im direkten Vergleich 11 von 14 Personen die männliche Stimme – für uns ein Zeichen für bestehende Stereotype statt für tatsächliche Kompetenzunterschiede. Sprachdesign im Auto sollte solchen Stereotypen deshalb aktiv entgegenwirken, etwa durch kompetent klingende weibliche Stimmen, und Nutzenden erlauben, Stimme, Emotionalität und Tonfall selbst zu personalisieren.

Fazit

Automotive Voice UX war für mich ein wichtiges Projekt, weil ich hier zum ersten Mal mit dem Fahrsimulator Carla gearbeitet habe. Wir haben eine eigene Fahrumgebung nach unseren Vorstellungen gestaltet und den Simulator darauf abgestimmt. Es war außerdem das erste wissenschaftlichere Projekt, an dem ich beteiligt war, und ich fand es spannend zu sehen, wie sich so ein Vorhaben aufbaut: von der Literaturrecherche über den Methodenaufbau und das Testing bis zur Auswertung.